Während
ich, wie es sich für diese Uhrzeit üblicherweise für mich gehört,
den bitteren Nachgeschmack meiner pulverisierten Tabletten mit dem
guten Krüger Family Cappuccino herunter spülend auf der verdreckten
durchgesessen Couch im Reich des schwarzen Ritters
(und nun auch meinem) langsam erwache, klingelt unüblicherweise mein
iPhone. Von zunehmenden Paranoia geplagt blicke ich argwöhnisch auf
das Display. Die ersten Ziffern kenne ich doch.
Und
noch bevor ich den Anruf entgegen nehme weiß ich genau Bescheid:
Der
nun fünfte Aufenthalt in der Klapse
steht unmittelbar vor der Tür.
„Schon
nächsten Dienstag?“ rauscht
es mir deutlich erschrockener über die Lippen, als ich es selbst von
mir erwartet hätte.
Das
sind nur noch FÜNF verfickte
Nächte. Panik
kommt in mir auf, Schnappatmung, sie
schnürt mir die Luft zum atmen ab.
Und Film ab. Bilderrauschen. Die letzten Wochen und Monate, eine
Achterbahnfahrt Talabwärts.
Es
war so unglaublich schön, zum ersten mal in meinem Leben für
sagenhafte sechs Monate das Gefühl gehabt zu haben, bei sich selbst
angekommen zu sein, glücklich
und vollkommen
zu sein.
Und ich bin so unendlich dankbar diese Erfahrung gemacht haben zu
dürfen!
Und dann?
Gemeinsames Reich
mit dem Prinzen=
schwarzer Ritter.
Die letzten Wochen zumindest wieder. Nach diesem Anruf: der
Prinz.
Und ich? Erst Prinzessin, dann
unzufriedenes Prinzess´chen, dann zunehmend verlorene Seele. Die
Narben auf meinen Armen wurden zunehmend mehr, und es ist
erschreckend wenn ich daran denke wie viel Blut
zuletzt geflossen ist,
gerade weil ich früher Angst davor hatte zu tief zu
schneiden und nur
etwas „ritzte“ für
das Schmerz empfinden oder meinen Körper wirklich zu spüren.
Kontrollverlust.
Kontrollverlust war es
ebenfalls als ich vor Wut Gegenstände durch die Gegend schmiss und
zerstörte, dissoziierte ohne später zu wissen was wirklich
passierte und es nur an den Spuren der Verwüstung fest machen
konnte; Kontrollverlust
als ich einen ganzen Blister meiner Beruhigungstabletten schluckte,
ohne zu wissen was danach passieren würde. Einfach weil es mir egal
war.
Der Nachteil wenn man bereits ein,
oder in meinem Fall drei mal, fast gestorben ist, ist: Du hast keine
Angst mehr vor dem Tod. Denn auch wenn du überlebst, und sei dir
gewiß es hat auch einen riesen Vorteil: Du schätzt
dein beschissen
wertloses Leben
endlich mal, du hast keine Angst mehr vor dem Tod. Und die solltest
du in gewissen Situationen haben, wenn du wie ich an einer
Impulskontrollstörung leidest und dir an manchen Tagen im
Minutentakt die Sicherungen durchbrennen.
Vor allem habe ich das Gefühl, dass
sich seit ich aufgehört habe regelmäßig zu konsumieren, meine
anderen „Ausfallerscheinungen“ regelrecht dupliziert haben. (Von
dem nasalen Konsum meiner morgendlichen Medikation mal abgesehen,
welcher meiner Meinung nach lächerlich ist wenn man mal nüchtern,
haha, betrachtet was ich meinem mittlerweile zierlichen Körper alles
einverleibt habe.)
Da könnte ich jedes mal erneut
meinen Kopf gegen die Wand schlagen vor Wut. Wofür mache
ich diese ganze Scheisse eigentlich, hört man mit dem einen auf wird
das andere wieder mehr.
Mehr Drogen – weniger Gefühle. -
weniger (fr)essen. -mehr Selbstwert. - weniger SVV. - Weniger Drogen.
- mehr Gefühle. - mehr FRESSEN.
wenig bis kein Selbstwert. - deutlich mehr SVV. - vernarbte Arme. -
Stress. - Probleme. - ___FAIL!___
Das alles sollte mir doch den Anreiz
geben völlig übermotiviert in meine verfickte
fünfte und hoffentlich
letzte Therapie zu starten.
Zwölf Wochen. Zwölf
laaaange Wooochen. Auf den Tag
genau. Vierundachtzig Tage und Nächte.
Ja ich habe mich tatsächlich
zwischenzeitlich in irgendeiner abstrakten Art und Weise auf diese
Zeit gefreut, als ich mich erneut erschlagen vom Alltag fühlte und
vor diesem flüchten wollte. Inclusive Flucht vor dem Prinzen;
auf welchen ich zeitweise auch gerne den Ursprung allen Übels
schiebe (meiner Meinung nach gerechtfertigt, da er sich selbst so
bezeichnet).
Das traurige was ich in diesen
Minuten nach dem Anruf meiner Lieblingsklinik
merkte: das beschissene
Problem an der ganzen Sache ist, dass man nicht vor sich selbst
fliehen kann und ich so meine Therapie-Reise mit dem größten aller
Probleme im Schlepptau antreten werden müsse: mir selbst.
Und in genau diesem Moment werde ich
noch ein bisschen panischer und wünsche mir, ich hätte diese
Therapie niemals beantragt.
Ich will doch einfach nur die
Prinzessin sein deren Hand von der des Prinzens gehalten wird in dem
Luftschloss das es nicht gibt und nicht die verlorene Seele die auf
dem verdreckten durchgesessenen Sofa über ihren Alltag klagt und
sich und den schwarzen Ritter abgrundtief hasst.
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