DBT,
Woche zwei, Tag vier. Komme gerade aus dem Männerklo (liegt am Ende
Flurs wo mich hoffentlich niemand kotzen hört) nachdem ich mich vier
Milka Schokokeksen, einer Tüte chinesischer „Moon Cracker“ und
einer handvoll gesalzener frittierter Maiskörner entledigt habe. Ach
ja nicht zu vergessen die Packung (=250!!g) Marzipan Röllchen. Für
ne FA sogar echt vertretbar, wenn man bedenkt das ich vorher nur ein
Brötchen mit veganem Aufstrich und keine ganze Portion Lachsfilet
mit Gemüsereis gegessen habe. Von meinem Kampfgewicht von 62kg mit
Klamotten mal ganz zu schweigen.
Die
letzten Wochen haben an mir gezehrt. Aber psychisch noch mehr als
körperlich. Whey, immerhin bin ich nur noch drei Kilo von meinem
Traumgewicht entfernt. Kein Applaus für Scheisse.
Als
ich heute morgen aufgestanden bin, bin ich beinahe wieder zurück ins
Bett gefallen, weil mir schwarz vor Augen wurde. Ich mag
dieses Gefühl. In solchen Momenten weiß ich wenigstens, dass ich
tatsächlich noch lebe.
Angespannt
auf dem Bett liegend, überlege ich ob ich dieses mich
dreckig angrinsende
Chilibonbon auf meinem Nachtisch in meinen Mund stecken soll, damit
der Druck
weg geht. Meine Anspannung ist so hoch, das ich mich noch niemals
dazu in der Lage fühle. Ich würde mir in diesem Moment tatsächlich
nichts lieber wünschen als mir die Arme so lange aufzuschneiden, bis
dieser verfickte
Druck
weg geht. Oder
ich ausgeblutet bin.
Warum
muss es ausgerechnet heute schneien?
Ich könnte gerade wirklich ausrasten. Mal abgesehen davon das ich
als Patientin nicht fahren darf, könnte ich noch mehr ausrasten als
mir bewusst wird das meine eigene Trägheit schuld daran ist, das ich
mich in dieser scheinbar ausweglosen Situation befinde. Wenn
ich doch nur nach Hause fahren könnte um mir eine
zusätzliche Ration Tabletten zu beschaffen.
Mindestdosis Medikamente, kein
Konsum, kein SVV. Dazu schwarzer Ritter im Suicide
Modus.
Dieses
DBT ist die verdammt
noch mal beschissenste und vor allem härteste Therapie meines
Lebens.
Wirklich.
Das dachte ich letztes Jahr
schon, aber da war es tatsächlich ein Überlebenskampf. Der war
hart, keine Frage. Aber hier
geht es darum, mein Verhalten, vor allem mein
Fehlverhalten(=selbstschädigend)
grundlegend zu ändern.
Und als wenn es nicht schon
schwierig genug ist, mich meiner geliebten fünfundzwanzig Jahre lang
mühsam antrainierten Marotten zu entledigen, kommt dazu noch mein
gehasster
geliebter
Ritter.
Ich weiss, ich bin manipulativ.
Ich weiss, ich erpresse
emotional.
Ich weiss, ich denke
schwarz-weiss.
Ich weiss, ich habe einen Hang
zum übertreiben.
Und ich weiss, ich lege Dinge
gerne zu meinen Gunsten aus.
Aber am sichersten weiss ich,
dass ich diese eine Person, die
Liebe meines Lebens,
um keinen Preis der Welt aufgeben würde und egal was zwischen uns
stünde, ich würde Ihn
unterstützen. Ihn
immer aufrichtig lieben und zu Ihm
stehen, komme was
wolle.
Und nach
allem was war, hätte
ich gedacht, es wäre anders herum genau so. Aber wieder einmal muss
ich feststellen, dass meine Erwartungshaltung zu hoch ist.
Ist
es zu viel erwartet, wenn ich mir wünsche das mein Prinz
mir in dieser schweren Zeit meine Hand hält und für mich da ist?
Zwei
Wochen kein Kontakt. Wird ihm alles zu viel und er muss selbst klar
kommen, braucht Ruhe. Ruhe
vor mir.
Ich
verstehe, dass der Vorfall mit dem Parasuizidalem Tabletten-Koma und
die Zeit danach Ihm
schwer zusetzten.
Aber
ich hatte gedacht, dass die Liebe, Unsere Liebe, stark genug gewesen
wäre dies alles gemeinsam durchzustehen.
Und
so sitze ich hier, nicht wissend was passiert, mir alle Szenarien die
ich nicht sehen will im Kopf herum geisternd. Kopfkino, ohne Ende.
Es macht mich verrückt. Ich
bin verrückt.
Gedanken rasen, ich kann keinen einzigen klaren Gedanken fassen.
Hilflos, ja
hilflos.
Wo?
Mit wem? Wieso nur?
Oh
geliebter Prinz, verblendet durch deinen Rausch kannst du dir nicht
annähernd vorstellen, welch Folter du mir bereitest. Oder vielleicht
weisst du genau dies. Ich will nicht wissen, welches von beiden mich
mehr zerstören würde. Aber jetzt gerade in diesem Moment zerstört
es alles in mir, diese Unwissenheit. Wie konntest du mich in dieser
Situation so alleine lassen? Kurz vor der verhassten Jahreswende?
Nachdem ich jeden Tag in liebevoller Handrbeit dein
Weihnachtsgeschenk vorbereitete? Dir die ewige Liebe schwor?
Wie
konntest du mich, zum vierten Mal,
alleine lassen gerade jetzt wo ich hier gefangen bin?
Bin
ich Dir Deiner Liebe nicht wert?
Und in genau diesem Moment wird mir auf die schmerzhafte Weise klar:
ich hatte erneut Alles gegeben und ebenso verloren. Ich bin
allein.
Mein Herz bleibt kurz stehen und schlägt dann viel zu schnell
weiter, mein Atem stockt, ich springe auf und renne erneut zur
Toilette während die Tränen meine Wangen herunter rinnen.
Später würde ich bereuen die einzige Beruhigungstablette ausgekotzt
zu haben, die mir hier zusteht.
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