Nachtrag 31.12.2016
Zur Jahreswende habe ich
mich doch noch dazu entschlossen, einen Eintrag zu verfassen, bevor
2016 ohne einen einzigen Post verstreicht. Wollte wie so oft, aber am
meisten hat mich der letzte Post aus Oktober 2015 davon abgehalten.
Es tut so gut zu lesen
wie weit ich es geschafft habe.
Es tut so verdammt weh zu
sehen wo ich jetzt stehe.
So hoch geflogen und noch
tiefer gefallen, das ist das Leben. LEBEN. Ist es das wirklich? Oder
ist es einfach nur überleben; von einer Phase des Glücks über eine
miese zur nächsten Phase hangeln? Phasen werden zu Momenten, Glück
des Erlebten zu Momenten des Rauschs, mit denen man zu überbrücken
versucht. Diese Momente werden wiederum zu Phasen und irgendwann ist
es nur noch Konsum und man spritzt sich das Gift direkt in seine
Seele. Meine Seele.
Wie konnte es so weit
kommen? Dieses LEBEN. Ich habe es gelebt, wirklich. Habe Glück
gefühlt, clean und zufrieden mit meinem Körper und mit mir selbst.
Körper, Seele und Geist im Einklang.
Was passierte dann?
Gründe kann ich nicht
nennen, aber ich erzähle euch einen Teil meiner Reise die vielleicht
der ein oder andere hier oder dort wieder erkennen mag, da sein Weg
für eine Zeit lang derselbe war.
Es war einmal...
Dezember ´15
...eine
junge glückliche Frau, die nach Jahren die sie verloren umher irrte
endlich zu sich selbst gefunden hatte, gelernt hat zu sich selbst zu
stehen; das sie GUT so ist, wie sie ist. Ein wertvoller Mensch der
sich selbst und andere akzeptierte wie sie waren, nur ab und zu
konsumierte, weil sie feiern war um Spaß zu haben mit Freunden;
nicht sich alleine voll dröhnte um die Realität zu verdrängen,
weil sie diese nicht ertragen konnte. Flucht in den Traum.
Die
Realität war ihr Traum. Und warum? Weil sie Frieden gefunden hatte.
Sogar
einen Mann der sie liebte wie sie war und sie ihn, was sie niemals
für möglich gehalten hatte; ja, sie lernte was es bedeutete
bedingungslos zu lieben. Und so wurde die junge Frau zur Prinzessin
die ihren Prinzen gefunden hatte.
Weihnachten
und Silvester mochte die junge Prinzessin noch nie, es waren die
beiden schlimmsten Tage im Jahre für sie. Diesmal jedoch fühlte sie
sich gewappnet und stark, jedoch kam es trotz allem wie es nicht
kommen musste.
Es
begann in der Heiligen Nacht; sie feierte weiße Weihnachten, aber
der Schnee fiel nicht vom Himmel. Sechzehn Stunden Schlaf. In der
Woche bis zur Jahreswende. Rekordverdächtig, bis dahin.
Januar
Frei nach dem Motto ,,Ich genieß mein Leben ständig, denn ich bin
länger tot als lebendig.`` startete die Prinzessin ins neue Jahr,
welches erstaunlicher Weise durch einen spontanen Trip nach
Südost-Asien nach dem verkorksten Start einen regelrechten
Aufschwung erlebte.
Das Glück und der Frieden kehrten zurück und sogar eine Freiheit
die sie regelrecht beflügelte. Leider blieben diese drei
Wegbegleiter dort am Sandstrand zurück, wo die warmen Sonnenstrahlen
am Horizont hintem Meer verschwinden. Und so versiegte der positive
Aufschwung recht schnell.
Februar
bis April
Tabletten Partys mit und ohne den Prinzen an ihrer Seite folgten und
als dieser sie verließ, feierte sie diese Partys jeden Tag, und wenn
sie als Einzige feierte, alleine mit sich selbst.
Dieser Verlust brach ihr das Herz, der Schmerz war einfach nicht zu
ertragen und zum ersten Mal in ihrem Leben gab sie sich selbst auf,
fast ohne es zu merken.
Fiftytwo days of Rausch, denn irgendwie musste sie dieses Loch in
sich stopfen, diese riesengroße Gähnende Leere dort wo einst ihre
Liebe war. Morgens ne Line zum wach werden, abends die Pille zum
schlafen. Und am Wochenende alles andere was sie zu ballern, rauchen
oder schlucken bekam.
Fast...alles.
Die einst so starke Prinzessin wurde immer schwächer, bis sie
letztendlich zum Arzt ging als ihre Augen im Spiegel gelb leuchteten.
Einweisung,
Krankenhaus, drohendes Leberkoma, Schock. Dieser Moment als der
Oberarzt für Innere Medizin mir in die Augen sah und sagte, wenn die
Werte nicht über Nacht besser werden würden müsse ich in eine
Spezialklinik und bräuchte eine Lebertransplantation um zu
überleben. Ich kann die Gefühle nicht beschreiben, aber es war als
würde die Welt stehen bleiben für einen Moment. Ich sah mein ganzes
Leben wie in einem Film, zurück gespult. Dann musste ich weinen, und
ich hatte Angst. Zu sterben.
War
es wirklich so weit gekommen?
Aber
das Schicksal schenkte mir das Leben, zum Dritten mal in den letzten
zwei Jahren.
Insgesamt
kann ich schon sagen das sich mein Leben positiv verändert hat. Ich
passe auf mich auf; wenn ich konsumiere mache ich immer wieder Pausen
und nehme (viel!) weniger, kein Konsum mehr unter der Woche, keine
unbekannten Substanzen. Denken BEVOR man handelt.
Ich
wollte das mir erneut geschenkte Leben nutzen, ich
WOLLTE Leben, auch ohne Ihn. Auch wenn mir vieles egal
geworden ist und ich selbst die Angst vor dem Tod verloren habe
seitdem.
Niemals
hätte ich gedacht das ich mich von einem Menschen so abhängig
machen konnte, ihn so sehr liebe, bis zur Selbstaufgabe. Ich schwor
mir, es nie wieder so weit kommen zu lassen, denn ich wusste würde
es noch einmal passieren, würde ich sterben. Oder wieder zurück in
die Klinik.
Mai
bis September
Also machte die Prinzessin ohne Prinzen das Beste aus dem was sie
noch hatte. Und siehe da, Woche für Woche ging es ein kleines Stück
bergauf, sie hatte einen wunderschönen Sommer mit vielen neuen und
alten Freunden, zahlreichen Festivals und unvergesslichen
Erinnerungen.
Aber richtig glücklich wurde sie irgendwie nicht, trotz der
positiven Erlebnisse. Sie lernte sogar eine andere Prinzessin kennen,
die wie ihre Seelenverwandte war. Wie verzaubert war sie von diesem
Menschen, verzaubert von dieser Ähnlichkeit zu ihr selbst, denselben
Werten, Vorstellungen und Träumen. So gleich, so nah in ihrem
ausgebluteten Herzen. Wie eine beste Freundin aus Kindertagen mit der
sie alles teilte. Sich unbesiegbar fühlte.
Dabei merkte sie nicht das sie so manch andere Freundin vor den Kopf
stieß, die bereits Jahre zuvor für sie da waren.
Nach einer nicht für möglich gehaltenen Freundschaft mit dem
Prinzen kehrte dieser schließlich zurück an die Seite der
Prinzessin. Sie war sich der Gefahr bewusst, aber durch den Rausch
beflügelt wollte sie ihrer Liebe eine letzte Chance geben.
Und nach allen Strapazen sah es tatsächlich so aus, als wenn eine
Zeit der Ruhe und des Friedens einkehren würde.
Oktober
Doch mit der Zeit merkte die Prinzessin das der Prinz nicht wirklich
glücklich wurde, das wiederum bereitete ihr Kummer und Leid; sie
fragte sich was sie wohl falsch machte oder ob sie gut genug war für
ihn.
Eines Tages, und sie hatte solche Angst vor diesem Tag,
verabschiedete sich der Prinz von der Prinzessin. Denn er war gar
kein Prinz, er zog als schwarzer Ritter davon, getrieben von seinen
inneren Dämonen und dem Hass auf sich selbst.
Die Prinzessin verlor ihre Krone und stürzte zum zweiten mal hinab
in die Finsternis, sie war ein Niemand mehr.
November
Doch selbst ein Niemand hat zwangsläufig Menschen um sich herum die
merken, wenn etwas nicht stimmt.
Durch die andere Prinzessin (und zwei andere wundervolle Menschen)
die ihr den Rücken stärkten, schaffte der Niemand es nach
zweieinhalb Wochen im Delirium den Ernst der Lage zu erkennen und
riss sich am Riemen. Versuchte es, denn eigentlich war alles egal
geworden; erneut gähnende Leere.
Das Niemandsmädchen jedoch
bemühte sich, da ihre Freunde sich Sorgen machten. Selbst wenn sie
nichts mehr fühlen konnte für sie, sie wusste das diese Menschen es
gut mit ihr meinten und war nett zu ihnen, nahm Ratschläge an. Oder
tat so.
Dieses Überleben von Tag zu Tag war mühsam, aber sie hatte ihre
Abschlussprüfung im Sommer vor Augen und zählte die Tage.
Vor allem aber die Tage von
Montags bis Donnerstags, da exzessiver Konsum
an den anderen drei Tagen die einzige Möglichkeit waren die Wochen
zu überbrücken.
Dezember
Kurz vor der Jahreswende, es war der Dritte Zwölfte; und es ging
wirklich, wirklich schon ein wenig bergauf; traf die gefallene
Prinzessin ein schwerer Schicksalsschlag.
Ihre neue beste Freundin, zu der sie als letzter Mensch noch
irgendeine emotionale Bindung hatte, rammte ihr ein Messer in den
Rücken. Ein Messer aus Egoismus, Grenzensetzung und Selbstliebe,
welches für die verlorene Prinzessin sowohl unbekannt als auch
tödlich waren.
Diese hatte also nun nicht nur ihr Herz verloren sondern auch ihr
Rückgrat gebrochen.
Aber an jenem Abend stand das Schicksal erneut auf ihrer Seite und
einsam als verlorene Seele die sie nun war, wurde sie doch wieder
gefunden von zwei guten Feen deren Bedeutung und Fürsorge die
einstige Prinzessin schon fast vergessen hatte.
Sie sträubte und weigerte sich, als die beiden Feen sie mitnehmen
wollten, heraus aus dem Schattenmeer zurück ins Licht. Den Glauben
an Menschen und vor allem sich selbst verloren wollte sie einfach nur
sterben.
Dies jedoch ließen die beiden Feen nicht zu, die eine war seit nun
eineinhalb Jahren ein immertreuer Wegbegleiter und hat ein wahrlich
gutes Herz, und die andere der eigentlich wichtigste Mensch in ihrem
Leben, die wirkliche Seelenverwandte welche immer stets zur Seite
stand. Doch die verlorene Seele vergaß dieses Jahr ganz schön viel,
getrieben vom Rausch und geblendet von falschem Glanz.
Ich danke euch, dass ihr mich gerettet habt, am Ende vor mir
selbst. Und es tut mir leid, dass ich den richtigen Menschen die
falsche Wertschätzung gegeben habe und den falschen zu viel Wert.
Seit dem fünften Zwölften befinde ich mich in stationärer
Therapie und es ist die Hölle. Es gibt Momente, da würde ich lieber
sterben anstelle mich mit diesen Gefühlen und Situationen
auseinander zu setzen, die ich seit zwei Monaten, teilweise einem
Jahr oder manche noch länger verdränge.
Das hier ist der härteste Kampf in meinem Leben, der Kampf gegen
mich selbst.
Ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde und genauso wenig ob ich
hier davon berichte. Aber ich weiß eins: Wir haben immer die Wahl.
Und es ist nie zu spät.
Sagst du ja oder nein?
``Danksagung``:
Auch wenn es in diesem Moment alles andere als den Anschein
gemacht hat, danke ich den beiden Feen das sie mich hierher gebracht
haben, ich liebe euch, auch wenn ich es zur Zeit nicht fühlen kann.
An die beiden Spaßvögel die mich seit Ende September begleiten,
ohne die ich schon viel früher aufgegeben hätte: Danke euch, dass
ihr mich immer zum lachen bringt, egal wie scheisse es mir gerade
geht, durch euch kann ich überhaupt wieder lachen.
Und danke M., auch wenn du nie hier sein kannst.