Donnerstag, 12. Januar 2017

Throwback 2016

Nachtrag 31.12.2016



Zur Jahreswende habe ich mich doch noch dazu entschlossen, einen Eintrag zu verfassen, bevor 2016 ohne einen einzigen Post verstreicht. Wollte wie so oft, aber am meisten hat mich der letzte Post aus Oktober 2015 davon abgehalten.
Es tut so gut zu lesen wie weit ich es geschafft habe.
Es tut so verdammt weh zu sehen wo ich jetzt stehe.
So hoch geflogen und noch tiefer gefallen, das ist das Leben. LEBEN. Ist es das wirklich? Oder ist es einfach nur überleben; von einer Phase des Glücks über eine miese zur nächsten Phase hangeln? Phasen werden zu Momenten, Glück des Erlebten zu Momenten des Rauschs, mit denen man zu überbrücken versucht. Diese Momente werden wiederum zu Phasen und irgendwann ist es nur noch Konsum und man spritzt sich das Gift direkt in seine Seele. Meine Seele.
Wie konnte es so weit kommen? Dieses LEBEN. Ich habe es gelebt, wirklich. Habe Glück gefühlt, clean und zufrieden mit meinem Körper und mit mir selbst. Körper, Seele und Geist im Einklang.
Was passierte dann?
Gründe kann ich nicht nennen, aber ich erzähle euch einen Teil meiner Reise die vielleicht der ein oder andere hier oder dort wieder erkennen mag, da sein Weg für eine Zeit lang derselbe war.

Es war einmal...

Dezember ´15
...eine junge glückliche Frau, die nach Jahren die sie verloren umher irrte endlich zu sich selbst gefunden hatte, gelernt hat zu sich selbst zu stehen; das sie GUT so ist, wie sie ist. Ein wertvoller Mensch der sich selbst und andere akzeptierte wie sie waren, nur ab und zu konsumierte, weil sie feiern war um Spaß zu haben mit Freunden; nicht sich alleine voll dröhnte um die Realität zu verdrängen, weil sie diese nicht ertragen konnte. Flucht in den Traum.
Die Realität war ihr Traum. Und warum? Weil sie Frieden gefunden hatte.
Sogar einen Mann der sie liebte wie sie war und sie ihn, was sie niemals für möglich gehalten hatte; ja, sie lernte was es bedeutete bedingungslos zu lieben. Und so wurde die junge Frau zur Prinzessin die ihren Prinzen gefunden hatte.
Weihnachten und Silvester mochte die junge Prinzessin noch nie, es waren die beiden schlimmsten Tage im Jahre für sie. Diesmal jedoch fühlte sie sich gewappnet und stark, jedoch kam es trotz allem wie es nicht kommen musste.
Es begann in der Heiligen Nacht; sie feierte weiße Weihnachten, aber der Schnee fiel nicht vom Himmel. Sechzehn Stunden Schlaf. In der Woche bis zur Jahreswende. Rekordverdächtig, bis dahin.

Januar
Frei nach dem Motto ,,Ich genieß mein Leben ständig, denn ich bin länger tot als lebendig.`` startete die Prinzessin ins neue Jahr, welches erstaunlicher Weise durch einen spontanen Trip nach Südost-Asien nach dem verkorksten Start einen regelrechten Aufschwung erlebte.
Das Glück und der Frieden kehrten zurück und sogar eine Freiheit die sie regelrecht beflügelte. Leider blieben diese drei Wegbegleiter dort am Sandstrand zurück, wo die warmen Sonnenstrahlen am Horizont hintem Meer verschwinden. Und so versiegte der positive Aufschwung recht schnell.

Februar bis April
Tabletten Partys mit und ohne den Prinzen an ihrer Seite folgten und als dieser sie verließ, feierte sie diese Partys jeden Tag, und wenn sie als Einzige feierte, alleine mit sich selbst.
Dieser Verlust brach ihr das Herz, der Schmerz war einfach nicht zu ertragen und zum ersten Mal in ihrem Leben gab sie sich selbst auf, fast ohne es zu merken.
Fiftytwo days of Rausch, denn irgendwie musste sie dieses Loch in sich stopfen, diese riesengroße Gähnende Leere dort wo einst ihre Liebe war. Morgens ne Line zum wach werden, abends die Pille zum schlafen. Und am Wochenende alles andere was sie zu ballern, rauchen oder schlucken bekam.
Fast...alles.
Die einst so starke Prinzessin wurde immer schwächer, bis sie letztendlich zum Arzt ging als ihre Augen im Spiegel gelb leuchteten.



Einweisung, Krankenhaus, drohendes Leberkoma, Schock. Dieser Moment als der Oberarzt für Innere Medizin mir in die Augen sah und sagte, wenn die Werte nicht über Nacht besser werden würden müsse ich in eine Spezialklinik und bräuchte eine Lebertransplantation um zu überleben. Ich kann die Gefühle nicht beschreiben, aber es war als würde die Welt stehen bleiben für einen Moment. Ich sah mein ganzes Leben wie in einem Film, zurück gespult. Dann musste ich weinen, und ich hatte Angst. Zu sterben.
War es wirklich so weit gekommen?
Aber das Schicksal schenkte mir das Leben, zum Dritten mal in den letzten zwei Jahren.

Insgesamt kann ich schon sagen das sich mein Leben positiv verändert hat. Ich passe auf mich auf; wenn ich konsumiere mache ich immer wieder Pausen und nehme (viel!) weniger, kein Konsum mehr unter der Woche, keine unbekannten Substanzen. Denken BEVOR man handelt.
Ich wollte das mir erneut geschenkte Leben nutzen, ich WOLLTE Leben, auch ohne Ihn. Auch wenn mir vieles egal geworden ist und ich selbst die Angst vor dem Tod verloren habe seitdem.
Niemals hätte ich gedacht das ich mich von einem Menschen so abhängig machen konnte, ihn so sehr liebe, bis zur Selbstaufgabe. Ich schwor mir, es nie wieder so weit kommen zu lassen, denn ich wusste würde es noch einmal passieren, würde ich sterben. Oder wieder zurück in die Klinik.


Mai bis September
Also machte die Prinzessin ohne Prinzen das Beste aus dem was sie noch hatte. Und siehe da, Woche für Woche ging es ein kleines Stück bergauf, sie hatte einen wunderschönen Sommer mit vielen neuen und alten Freunden, zahlreichen Festivals und unvergesslichen Erinnerungen.
Aber richtig glücklich wurde sie irgendwie nicht, trotz der positiven Erlebnisse. Sie lernte sogar eine andere Prinzessin kennen, die wie ihre Seelenverwandte war. Wie verzaubert war sie von diesem Menschen, verzaubert von dieser Ähnlichkeit zu ihr selbst, denselben Werten, Vorstellungen und Träumen. So gleich, so nah in ihrem ausgebluteten Herzen. Wie eine beste Freundin aus Kindertagen mit der sie alles teilte. Sich unbesiegbar fühlte.
Dabei merkte sie nicht das sie so manch andere Freundin vor den Kopf stieß, die bereits Jahre zuvor für sie da waren.
Nach einer nicht für möglich gehaltenen Freundschaft mit dem Prinzen kehrte dieser schließlich zurück an die Seite der Prinzessin. Sie war sich der Gefahr bewusst, aber durch den Rausch beflügelt wollte sie ihrer Liebe eine letzte Chance geben.
Und nach allen Strapazen sah es tatsächlich so aus, als wenn eine Zeit der Ruhe und des Friedens einkehren würde.

Oktober
Doch mit der Zeit merkte die Prinzessin das der Prinz nicht wirklich glücklich wurde, das wiederum bereitete ihr Kummer und Leid; sie fragte sich was sie wohl falsch machte oder ob sie gut genug war für ihn.
Eines Tages, und sie hatte solche Angst vor diesem Tag, verabschiedete sich der Prinz von der Prinzessin. Denn er war gar kein Prinz, er zog als schwarzer Ritter davon, getrieben von seinen inneren Dämonen und dem Hass auf sich selbst.
Die Prinzessin verlor ihre Krone und stürzte zum zweiten mal hinab in die Finsternis, sie war ein Niemand mehr.

November
Doch selbst ein Niemand hat zwangsläufig Menschen um sich herum die merken, wenn etwas nicht stimmt.
Durch die andere Prinzessin (und zwei andere wundervolle Menschen) die ihr den Rücken stärkten, schaffte der Niemand es nach zweieinhalb Wochen im Delirium den Ernst der Lage zu erkennen und riss sich am Riemen. Versuchte es, denn eigentlich war alles egal geworden; erneut gähnende Leere.
Das Niemandsmädchen jedoch bemühte sich, da ihre Freunde sich Sorgen machten. Selbst wenn sie nichts mehr fühlen konnte für sie, sie wusste das diese Menschen es gut mit ihr meinten und war nett zu ihnen, nahm Ratschläge an. Oder tat so.
Dieses Überleben von Tag zu Tag war mühsam, aber sie hatte ihre Abschlussprüfung im Sommer vor Augen und zählte die Tage.
Vor allem aber die Tage von Montags bis Donnerstags, da exzessiver Konsum an den anderen drei Tagen die einzige Möglichkeit waren die Wochen zu überbrücken.

Dezember
Kurz vor der Jahreswende, es war der Dritte Zwölfte; und es ging wirklich, wirklich schon ein wenig bergauf; traf die gefallene Prinzessin ein schwerer Schicksalsschlag.
Ihre neue beste Freundin, zu der sie als letzter Mensch noch irgendeine emotionale Bindung hatte, rammte ihr ein Messer in den Rücken. Ein Messer aus Egoismus, Grenzensetzung und Selbstliebe, welches für die verlorene Prinzessin sowohl unbekannt als auch tödlich waren.
Diese hatte also nun nicht nur ihr Herz verloren sondern auch ihr Rückgrat gebrochen.
Aber an jenem Abend stand das Schicksal erneut auf ihrer Seite und einsam als verlorene Seele die sie nun war, wurde sie doch wieder gefunden von zwei guten Feen deren Bedeutung und Fürsorge die einstige Prinzessin schon fast vergessen hatte.
Sie sträubte und weigerte sich, als die beiden Feen sie mitnehmen wollten, heraus aus dem Schattenmeer zurück ins Licht. Den Glauben an Menschen und vor allem sich selbst verloren wollte sie einfach nur sterben.
Dies jedoch ließen die beiden Feen nicht zu, die eine war seit nun eineinhalb Jahren ein immertreuer Wegbegleiter und hat ein wahrlich gutes Herz, und die andere der eigentlich wichtigste Mensch in ihrem Leben, die wirkliche Seelenverwandte welche immer stets zur Seite stand. Doch die verlorene Seele vergaß dieses Jahr ganz schön viel, getrieben vom Rausch und geblendet von falschem Glanz.



Ich danke euch, dass ihr mich gerettet habt, am Ende vor mir selbst. Und es tut mir leid, dass ich den richtigen Menschen die falsche Wertschätzung gegeben habe und den falschen zu viel Wert.
Seit dem fünften Zwölften befinde ich mich in stationärer Therapie und es ist die Hölle. Es gibt Momente, da würde ich lieber sterben anstelle mich mit diesen Gefühlen und Situationen auseinander zu setzen, die ich seit zwei Monaten, teilweise einem Jahr oder manche noch länger verdränge.
Das hier ist der härteste Kampf in meinem Leben, der Kampf gegen mich selbst.
Ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde und genauso wenig ob ich hier davon berichte. Aber ich weiß eins: Wir haben immer die Wahl. Und es ist nie zu spät.

Sagst du ja oder nein?




``Danksagung``:
Auch wenn es in diesem Moment alles andere als den Anschein gemacht hat, danke ich den beiden Feen das sie mich hierher gebracht haben, ich liebe euch, auch wenn ich es zur Zeit nicht fühlen kann.
An die beiden Spaßvögel die mich seit Ende September begleiten, ohne die ich schon viel früher aufgegeben hätte: Danke euch, dass ihr mich immer zum lachen bringt, egal wie scheisse es mir gerade geht, durch euch kann ich überhaupt wieder lachen.
Und danke M., auch wenn du nie hier sein kannst.


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