Montag, 22. April 2019

All good things are six


18.04.2019


Gähnende Leere befindet sich in meinem Kopf, während ich auf den Bildschirm starre und mich wechselnder Weise mit Whatsapp und einem halben Bananen-Eiweißriegel vor diesem Eintrag hier drücke. Wieso bloß? 

Scham. Ein bisschen. Oder vllt. auch ein bisschen mehr. Ist doch ganz normal. SO würde sich jeder fühlen, wenn er oder sie oder weiß der Geier wer sich zum fucking sechsten Mal zur stationären Therapie hat einweisen lassen. Und da zähle ich nun offiziell nicht mehr den einen Tag 2017 mit, an dem meine ehemalige (wuhu, so selbstständig bin ich schon, dass ich ohne sie auskomme) ambulante Betreuerin (keine gesetzliche!) mich hier hochgefahren hat, ich jedoch nach ihrer Abwesenheit wieder die Flucht ergriffen habe. Räusper.
WAS ist passiert, seit dem letzten Eintrag? Ich schaue auf meine Arme, so viele neue Narben. Ich schaue in mein Herz, so zerbrochen und leer. Ich schaue in meine Seele, so zerrissen und befleckt mit all diesen schmerzlichen Erinnerungen an Zeiten, die es nicht mehr geben wird, ich aber doch nicht bereit bin, sie zu vergessen. 

2.Juli2018..da war die Welt noch in Ordnung. Verdammte scheiße, war sie nicht! Schon das Jahr zuvor nicht zu dieser Zeit. Eigentlich schon nicht mehr, seit ich mich dazu entschieden habe, meine Freiheit aufzugeben und dem schwarzen Ritter die vierte letzte Chance zu geben.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie es mir ging, als ich die leere Kondomverpackung in der Jogginghose meines verstorbenen Großvaters gefunden habe, die ich ihm die Woche zuvor zu seiner Entgiftung mitgegeben hatte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell mein Herz auf einmal schlug, als ich in seinen Augen sah, dass es die Wahrheit war, während seine Lippen mühelos das Gegenteil behaupteten. Aber vielleicht kann sich der ein oder andere vorstellen, wie schwer es fällt, sich einzugestehen nach mehr als zwei Jahren die inneren Dämonen siegen zu lassen und rückfällig zu werden. Ich hasse mich dafür. Aber eigentlich ist es mir egal geworden.
Wenn ich auf diesen Tag zurückblicke, der mir doch teilweise erscheint, als wenn es gestern gewesen wäre, fühle ich nur noch Leere. Und dann ein ganz leichtes Brennen in meinen Augen und die Lettern auf dem Bildschirm werden ein klein wenig verschwommen. Aber ich werde nicht weinen, nicht eine Träne mehr. Ich habe so viel geweint, die letzten vier Monate. 

Es war der 22. Dezember 2018, an dem mein Herz aufhörte intakt-im Takt zu schlagen. 

Es war der 24. Dezember 2018, an dem ich das erste mal wieder P.pp gezogen habe. 

Es war der 26. Januar 2019, an dem ich wieder aufhörte. Und keine drei Wochen später wieder anfing. Und aufhörte. Und anfing. Bis heute. Aber vor neun Tagen hörte ich mal wieder auf. 

Es war der 21. Februar 2019, an dem ich mich dazu entschied, als Hure Escort zu arbeiten.

Ich will nie wieder eine Beziehung führen und einen Menschen auf diese Weise lieben.

Ich werde nie wieder einem Menschen vertrauen können und will es auch nicht mehr.

Kein Mensch wird sich jemals wieder in der Position befinden, mich so zu verletzen.

Es war die Woche im Ausland, die mich meine endgültigen Entscheidungen hat fällen lassen.

Es ist der 18. März 2019 gewesen, seitdem ich AU geschrieben bin.

Und der 9. April 2019, seitdem ich nun meine sechste stationäre Therapie bestreite. 

Aber irgendwas ist dieses Mal anders. Ich bin nicht mehr die schwache, gebrochene Seele, wie zuvor, als ich von meinem Ritter verlassen wurde. Ich bin ich. Und ich werde meinen Weg gehen, allein. Ich habe mein Ziel vor Augen. Mein Ziel.
Ich habe geliebt, von ganzem Herzen, bedingungs- und kompromisslos. Mich abhängig gemacht, von diesem Menschen Pharisäer. Und von Drogen.

Und wisst ihr was? Ich bereue NICHTS. Ich würde alles noch mal genauso machen, denn diese Erfahrungen machen mich zu dem Menschen der ich heute bin. Auch wenn es gerade noch so düster erscheint..

Aber ich werde es schaffen. Ich werde meinen Weg gehen und Psychiaterin werden, um Menschen, die dasselbe durchmachen wie ich, zu helfen. Sie zu begleiten.
Ihr könnt mich auf meinem Weg begleiten oder auch nicht. Ich gehe ihn trotzdem.
Denn ich werde das schaffen, früher oder später.

Once upon a time I told you, that the day I stopped loving you was the day I closed my eyes forever.
I will not love you anymore.
But the day I will love anyone again, would be the day, I wake up in a different, brave new world.

Goodbye, dark knight.

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